Impericon Leipzig

Um die kleine Konzertreihe der letzten Wochen zum Abschluss zu bringen, waren wir gestern in den Leipziger Messehallen zum Impericon Festival 2017. Nachdem das ganze Format in den letzten Jahren ziemlich gewachsen zu sein scheint, seit ich damals in Würzburg bei Callejon und August Burns Red, Architects, Adept und Breakdown of Sanity war, war ich schon ziemlich gespannt, wie es sein würde, wenn diesmal ganze 18(!) Bands im Abstand von fünf Minuten auf zwei direkt nebeneinander stehenden Bühnen einen ganzen Tag lang ein riesen Feuerwerk abbrennen würden. Das ganze ging 11:30 mit Science of Sleep los, die auch gleich mal bekannt gaben, dass dies ihre letzte Show als Band sein würde – nicht wirklich schade oder überraschend, wenn man mich fragt. Die wirklich eng geplante Running Order (PDF) wurde bis zum Schluss auf die Minute genau eingehalten, weil eine Band bereits den Soundcheck durchziehen konnte, während daneben gerade ein anderer Act seine Show ablieferte. Dabei konnten die Zuschauer in den fünf Minuten zwischen den Shows bequem zehn Schritte zur Seite machen und standen sofort vor der anderen Bühne. Wie man an dem Lineup sieht, war wirklich für jeden etwas dabei. Dabei belief sich das Spektrum von Deathcore über Hardcore und Punk, über melodischen Hardcore, komischen Hardcore Rap bis hin zu gutem alten Metalcore. Dementsprechend durchmischt war auch das Publikum.

Gleich am Anfang fiel auf, dass Casey, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte, wirklich etwas cooles zu bieten hatten und ich habe mir bei Spotify schonmal deren aktuelles und bis her einziges Album markiert. Das werde ich mir sicher in Ruhe nochmal anhören.

Die erste kleine Überraschung war die Show von Being As An Ocean, die ich zwar schon kannte, aber ich nicht damit gerechnet hatte, dass deren Auftritt so wundervoll musikalisch, facettenreich und energiegeladen sein würde. Die Mischung aus alt hergebrachten Hardcore Shouts und einem wirklich schon außerordentlich gutem Sänger für die soften Vocals wussten wirklich zu überzeugen. Dabei war beides eingebettet in außerordentlich schön arrangierte Songs, welche mich wirklich haben staunen lassen. Das war dann auch der Grund, warum es dann heute den ganzen Tag schon in der Küche lief und auch jetzt gerade beim Runtertippeln von hiesigem Text.

Irgendwann war es dann auch einmal Zeit etwas zu essen und zu meiner Freude gab es überwiegend vegane Essensauswahl, wobei man zwischen Gyros, Pasta, Döner und Burger wählen konnte, soweit ich das zu überblicken in der Lage war. Was die Getränke anging, war ich zu geizig ständig irgendwelche Softdrinks zu kaufen und habe einfach einen Pfandbecher auf der Toilette immer wieder mit Leitungswasser aufgefüllt.

Die meisten Hardcore und Punk Bands haben mich nicht wirklich interessiert und ich habe deren Großteil einfach von der Tribüne aus angeschaut oder war währenddessen essen beziehungsweise Nase pudern.

Das erste Mal beim Moshen zu Asking Alexandria war ziehmlich lahm und ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass deren Show ein bisschen ruppiger sein würde. Leider war das nicht der Fall und ich habe dann nach 20 Minuten keine wirkliche Lust mehr gehabt. Insgesamt war deren Setlist total komisch, da ich jedoch nicht wirklich ein Fan bin, habe ich vielleicht auch keinen so guten Einblick in deren Möglichkeiten gehabt und vielleicht zu viel oder das Falsche erwartet.

Ein wenig hatte ich mich auch auf Caliban gefreut, aber deren Sänger geht Live leider absolut nicht gut rein und deren bester Song war ihr Rammstein-Cover Sonne. Alles in Allem hätte man das ruhig mal besser machen können!

Kommen wir nun einfach direkt zum absoluten Abriss. Für Parkway Drive ließ man sich ein wenig mehr Zeit mit dem Umbau, was aber nicht schlecht war, weil dann alle Leute Zeit hatten, sich nochmal zu sammeln und vor der Bühne einzufinden. Dann kam das erste Riff, während die Herren aus Australien auf die Bühne kamen und die Leute waren schon dabei das Riff lauthals anzustimmen, die Show beginnt mit Wildeyes und die komplette Crowd bricht instantan vollkommen auseinander. Sowas hatte ich vorher noch nie erlebt. Etwa fünf Minuten vor Showbeginn, waren alle noch dabei Michael Jackson mitzusingen und wie als hätte jemand einen Schalter umgelegt, standen bei jedem plötzlich die Zeiger auf Anschlag, als wäre gerade eine energetische Singularität entstanden. Binnen eines Wimpernschlages war jeder um mich herum in Bewegung und von da an ging es nur noch steil bergauf. Die Setlist hat aber auch absolut keinen Stein auf dem anderen gelassen. Es gab absolut keine Gefangenen und die 80 Minuten waren so unglaublich anstrengend, energiegeladen, emotional und befreiend, wie ich das noch nie vorher erlebt hatte. Dem Sänger selbst war auch nicht so richtig klar, was da vor der Bühne abging. Scheinbar war es das größte Indoor-Festival in Europa, was komplett geisteskrank ist, wenn man sich überlegt mit welcher Art Musik man so viele Menschen zusammen bekommen konnte. Die Show selbst hatte unter anderem einzelne Feuerbälle und ein Überkopf-Drumsolo zu bieten. Da haben sich PWD wirklich so richtig was einfallen lassen! Hut ab! Es war wirklich das Beste, was ich jemals als Zuschauer vor einer Bühne erleben durfte und ich weiß auch schon, wer nächstes Jahr gleich nach Bekanntmachung ein Ticket für sich und seinen besten Kumpel erstehen wird!

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